Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustür

Die Zahl der heimischen Vögel sinkt seit Jahren dramatisch. Mit unseren Gartenvögeln verschwindet auch unsere Lebensqualität, die unwiderruflich verloren geht. Umso wichtiger ist es, aktiv Lebensräume zu erhalten und Menschen zu motivieren, Ihre Gärten in Tierparadiese zu verwandeln. Es nützt nicht nur Insekten und Vögeln, sondern auch Igeln und vielen anderen, die einen Platz in unseren Gärten suchen und nützliche Helfer sind. Wir haben in Zusammenarbeit mit Herrn Heimann (Experte für ökologischen Garten- und Landschaftsbau in K-Münchingen) ein Konzept entwickelt, das uns alle motivieren kann, im Sinne unserer Gartenbewohner aktiv zu werden. Dabei lehnen wir uns eng an die erfolgreiche Initiative „vogelfreundlicher Garten“ in Bayern an.

Welches Ziel verfolgen wir?

Unser Ziel ist es, die Akzeptanz für mehr Wildnis vor der eigenen Haustür zu erhöhen und ein Umdenken in Gang zu setzen. Wir wünschen uns, dass immer mehr Gartenbesitzer*innen ihre Gärten in vogelfreundliche Naturparadiese verwandeln und damit der Natur mehr Raum geben, sowie Vorbild  und Orientierung für andere sind.

Plakette vogelfreundlicher Lebensraum

  • Eine kostenlose Bewertung Ihres Grünbereiches.
    Bei Erfüllung der Kriterien erhalten Sie eine kostenlose  Auszeichnung in Form einer 12 x 12 cm großen Plakette „vogelfreundlicher Lebensraum“
  • Sie werben für dieses Projekt, indem Sie die Plakette sichtbar anbringen und somit andere anregen selber aktiv zu werden.

Plakette vogelfreundlicher Lebensraum

MUSS-Kriterien

In unserer Gartenbewertung sind MUSS-Kriterien enthalten, die auf jeden Fall in einen naturnahen vogelfreundlichen Garten gehören.

Mindestens zwei dieser Punkte sollten in einem vogelfreundlichen Garten vorhanden sein:

  • Insektenvielfalt
  • Früchte/Beeren/Samen
  • Nistmaterial (natürlich/künstlich)
  • Wilde Ecke

MUSS-Kriterien

Sollte Ihr Garten einen einzigen der folgenden Punkte erfüllen, fällt er durch und eine Bewertung ist nicht möglich:

  • Pestizideinsatz
  • Mähroboter/Laubsauger/Laubbläser
  • Unnötige (neue) Versiegelung
  • Pflanzflächen mit Unkrautvlies und Schotterflächen
  • Flächige Verwendung von Rindenmulch und Hackschnitzel

MUSS-Kriterien

Die sogenannten PLUS-Kriterien bereichern einen vogelfreundlichen Garten, das sind zum Bsp.:

  • ein Efeu mit Blüten und Früchten,
  • ein offener Kompost oder Disteln und Brennnesseln.
  • Eine Wasserstelle 

Mit diesen Strukturen können Sie zusätzlich „punkten“.

Wer unterstützt das Projekt?

Das Projekt wird großzügig von SCHARR Büromarkt und Heimann Garten- und Landschaftsbau unterstützt.

Welche Schritte sind notwendig, um das Zertifikat und die Plakette zu erhalten?

  • Kontaktaufnahme: Melden Sie Ihr Interesse bei uns an.
  • Gartenbewertung: Unser Experte für naturnahe Gärten, Herr Heimann, bewertet Ihren Garten oder Grünbereich kostenlos.
  • Prämierung: Nach erfolgreicher Bewertung erhalten Sie kostenfrei die Auszeichnungen in Form der Plakette und eines Zertifikats.
  • Bringen Sie die Plakette gut sichtbar an Ihrem Gartenzaun an.

Das Wichtigste für mehr Vögel im Garten

Dieser Blogartikel entstand im Rahmen der ersten Blognacht von Anna Koschinkski zum Thema „aufgeräumt“ am 15.12.2023.

  • Vögel stehen nicht auf Bonsaibäumchen oder Kieswüsten, sondern sie lieben es unordentlich und naturnah.
  • Orientiere dich bei der Gartengestaltung an den Grundbedürfnissen von Vögeln: Nahrung, Nistmöglichkeiten, Verstecke und Badestellen.
  • Nutze verschiedene einheimische Pflanzen, die Blüten, Samen und Früchte bieten. Entweder locken sie Insekten an, die widerum insektenfressende Vögel erfreuen, oder sie locken früchtefutternde Vögel direkt an. Beides super.
  • Hände weg von Gift! Dass du keine Vögel vergiften willst, ist ja eigentlich klar. Es ist aber wichtig zu wissen, dass durch Einsatz von Pestiziden auch ihr Futter vergiftet wird – also die Früchte, Insekten und Samen, von denen Vögel leben.
  • Laubhaufen, Natursteinmauern, Komposthaufen, Holz- und Reisigecken bieten Vögeln Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten.
  • Wenn du verschiedene Mini-Biotope anlegst, lockst du auch verschiedene Vogelarten an und dein Vogelchor wird vielstimmiger.
  • Vergiss das Wasser nicht! Auch Vögel müssen trinken und viele Vögel nutzen Wasser zur Gefiederpflege.

Mähroboter

Ein Mähroboter mäht den Rasen regelmäßig auf die exakt gleiche Höhe. Damit wächst dort nichts mehr außer Rasen. Jegliche Artenvielfalt wird zunichte gemacht.
Ein Mähroboter bedroht außerdem das Leben von Gartentieren, wie Igeln, aber auch Ästlinge und Jungvögel sind durch sein langsames, gleichmäßiges und erbarmungsloses Weitermähen gefährdet.
Ein Mähroboter hat in einem naturnahen Garten nichts verloren!

Laubbläser & Laubhäxler

Laubbläser sind nicht nur eine enorme Lärm- und Geruchsbelästigung für die Menschen in der Umgebung, sondern töten auch Kleintiere, für die die Laubschicht der Lebensraum war. Auch in einem Laubhäxler kommen sie zu Tode. Und diese Kleintiere sind Nahrung für viele Vogelarten.
Laubbläser und Laubhäxler sind die absolute Umweltkatastrophe!

Rindenmulch & Hackschnitzel

Rindenmulch bzw. Hackschnitzel werden oft aus Bestandteilen von Nadelbäume hergestellt. Diese erzeugen bei der Zersetzung ein saures Mileu, in dem jegliches Leben erstickt wird.
Er verhindert, dass Vögel wie Amseln oder Rotkehlchen an ihre Nahrungsquelle im Boden kommen. Außerdem schließt er auch Wildbienen- und Hummelarten vom Kontakt mit dem Boden aus, in dem sie brüten.

Pestizide

In einem vogelfreundlichen Garten muss auf jegliches Gift verzichtet werden, egal, ob es sich gegen Schnecken, „Unkraut“ oder Ameisen richtet oder der künstlichen Düngung dient.
Pestizide reichern sich in der Nahrungskette an. Vergiftete Insekten, Samen und Früchte vergiften auch die Vögel, die sie fressen. Die Gifte schaden ihrer Fruchtbarkeit und schwächen ihr Immunsystem.
Fun Fact: Vögel sind prima Insektenvertilger.

Freilaufende Katzen

Katzen sind Vogelkiller und stören durch ihre Anwesenheit nachhaltig die Vögel in der Umgebung. Zumindest in der Brutzeit sollten Katzen deshalb im Haus bleiben.

Picobello aufräumen

Vögel mögen es usselig, unaufgeräumt. Eine Laubschicht am Boden bietet Nahrung, Asthaufen sind ein toller Lebensraum für einige Vogelarten und bieten prima Versteckmöglichkeit. Wenn du jedes Blatt und jedes Ästchen aufräumst, entfernst du die Lebensgrundlage von Vögeln und der Leibspeise ihres Nachwuchses: Insekten.

Vogelfreundliche Pflanzen

In einem vogelfreundlichen Garten wachsen einheimische Blumen, Stauden, Sträuchern und Bäumen, die den Vögeln möglichst ganzjährig eine große Auswahl an Samen und Früchten bieten. Die Blüten von Blumen sollten ungefüllt sein und Nahrung für Insekten bieten (die dann wiederum prima Nahrung für Vögel sein können).

Die allermeisten Pflanzen, die natürlicher Weise in deinem Garten sind, passen zur Umgebung, zum Boden und sind eine gute Wahl. Du musst also nicht zwangsläufig Geld ausgeben, um deinen Garten umzustellen, sondern kannst einfach wachsen lassen, was da ist und von alleine kommt.

Eine tolle Basis dafür schaffen Samenkapseln von wilden Blumen, die du selbst in Maßen in deiner Umgebung einsammelst und auf deine Wiese, in deinen Garten streust. So setzen sich mit der Zeit die Arten durch, die am besten zu deinem Standort passen.

Folgende Pflanzen gelten beispielsweise als vogelfreundlich:

  • Eberesche (die absolute Queen unter den einheimischen Pflanzen: 69 Vogelarten profitieren von ihren Beeren!)
  • Weißdorn
  • Efeu
  • Schlehe
  • Sanddorn
  • Felsenbirne
  • Schwarzer Holunder
  • Brennnessel (gut für Insekten und damit auch gut für Vögel)
    Disteln
    Sonnenblumen
    Apfelbaum

Konkrete To Dos für mehr Vögel im Garten:

  • Du musst nicht von 0 auf 100 in zwei Monaten gehen und dich stressen! Jede kleine Veränderung bewirkt schon eine kleine Veränderung. Fang z.B. damit an, einen Teil deines Rasens nicht mehr zu mähen und lasse Blumen, Gräser und Kräuter dort wachsen – und ausblühen!
  • Lasse Herbstlaub liegen. Darin siedeln sich Kleinlebewesen an und die sind eine prima Nahrungsquelle für Amseln, Rotkehlchen, Singdrosseln und Co.
  • Lege einen Komposthaufen an. Auch die bieten durch Spinnen, Würmer und Insekten, die sich dort ansiedeln, eine gute Nahrungsquelle für Vögel.
  • Bilde einen Reisig- bzw. Asthaufen und/oder lege eine geschichtete, unverputzte Natursteinmauer an. Beides bietet tolle Versteck- und Brutmöglichkeit für Rotkehlchen und Zaunkönige.
  • Ersetze Pflanzen mit geschlossenen Blüten oder mit Blüten und Früchten, die keinen Mehrwert für Tiere bieten (wie z.B. Rhododendron, Forsythie, Geranien, Kirschlorbeer, Rosen, Flieder etc.), nach für nach durch vogelfreundlicheren Pflanzen.
  • Lasse verblüte Samenstände stehen. Die Samen sind eine wichtige natürliche Nahrungsquelle für Vögel und lockt z.B. Stieglitze in deinen Garten.
  • Biete deinen gefiederten Gäst*innen eine Möglichkeit, sich zu baden und zu trinken.
  • Auch eine kleine Sandkuhle ist wichtig und hilfreich bei der Gefiederpflege.
  • Wenn du künstliche Nisthilfe anbieten möchtest, um mehr Nistmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, unterstütze doch die weniger häufigen Arten, indem du auch einen Halbhöhlenkasten bereitstellst. Darüber freuen sich z.B. Gartenrotschwanz, Grauschnäpper und die Bachstelze.
  • Entspann dich! Weniger ist mehr. Ein naturnaher, vogelfreundlicher Garten ist der Garten einer entspannten Gärtnerin.

Was sollen denn die Nachbarn denken?

Tatsächlich kann es in unserer Umgebung für Naserümpfen oder zumindest für interessierte Blicke sorgen, wenn der Garten nicht (mehr) aufgeräumt und wie geleckt aussieht. Um für Aufklärung zu sorgen, könntest du auf deine Nachbar*innen zugehen und dein Konzept erklären. Es ist sowieso viel besser für die Vogelvielfalt in deinem Garten, wenn die Gärten der Umgebung ebenfalls keine Steinwüsten oder totgespritzte Rasenflächen sind.

Du könntest ein Erklärschild anbringen, um noch mehr Menschen aufzuklären. Oder du könntest dich bei den beiden großen deutschen Umweltverbänden für eine Plakette „Vogelfreundlicher Garten“ bewerben. Die Informationen dazu findest du bei deinem örtlichen NABU und beim LBV.

Was bringt das alles?

Um das noch mal ganz deutlich zu sagen: Mit unseren Gärten werden wir die Welt nicht retten. Mit einem naturnahen Garten rettest du auch nicht einzelne Vogel- oder Insektenarten. ABER: Wir schaffen dadurch eine lebensfreundlichere Umgebung, auch für uns Menschen, denn anders als Schottergärten des Grauens kühlen Pflanzen die Umgebung.

Höchstwahrscheinlich werden in deinen Garten Arten kommen, die es sowieso schon in der Umgebung gibt. „Normale“ Arten, aber das ist ja nichts Schlechtes oder Langweiliges. Du bietest einen Trittstein für sie, ein weiteres Biotop, in dem sie leben können.
Ein vogelfreundlicher und damit vogelreicher Garten macht vor allem dich glücklich: Mehr Vögel im Garten schenken dir mehr Wertschätzung für die Natur und ermöglichen Momente der Naturverbindung und der Freude in deinem Alltag.

Und wer weiß? Vielleicht steckst du ja auch andere mit deiner Begeisterung und deinem Laissez-Faire an und ihr erschafft in deiner Nachbarschaft gemeinsam ein mini Naturschutzgebiet und profitiert alle von den positiven Auswirkungen.